Prof. Dr. Ulrich Heinen

Gestaltungstechnik* und Kunstgeschichte

Prof. Dr. Ulrich Heinen

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*' Das Fachgebiet "Gestaltungstechnik" umfaßt u.a. die Sachgebiete der Teilstudiengänge "Mediendesign und Designtechnik" sowie "Farbtechnik/ Raumgestaltung/ Oberflächentechnik".

Curriculum Vitae
Vorträge und Tagungen
Publikationen
Institut für angewandte Kunst- und Bildwissenschaften (IAKB)


Klarstellung in eigener Sache
Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen.
Dem Vernehmen nach ist in sozialen Netzwerken im Umlauf, ich sei möglicherweise "Coronaleugner", Anhänger der sog. "Querdenkerbewegung", "Verschwörungstheoretiker", "Impfgegner" o.ä.
Daher stelle ich hier gerne auch öffentlich klar, was diejenigen, die mit mir unmittelbar zu tun haben, ohnehin wissen: Das Gegenteil ist der Fall!
Seit Anfang der Pandemie halte ich - auch vor dem Hintergrund meines naturwissenschaftlichen Studiums - harte Anti-Coronamaßnahmen persönlich für einzig sachgerecht. In weiten Teilen hätte ich sie mir sogar noch weit deutlicher gewünscht und erwarte, daß sie sich in den kommenden Monaten - notgedrungen - auch noch dorthin werden entwickeln müssen. Dies habe ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Privaten wie gelegentlich auch am Rande meiner beruflichen Tätigkeit immer eindeutig vertreten. Aus gegebenem Anlaß spreche ich es hier gerne auch öffentlich aus.
Um nicht nur diejenigen zu erreichen, die ohnehin mit mir und der Mehrheit im Lande derselben Ansicht sind, habe ich hierzu zuletzt auch einen Kontext gewählt, in dem die Anti-Corona-Maßnahmen ansonsten eher in Frage stehen. Im kunst- und kulturhistorischen Zusammenhang der Entstehung von zivilgesellschaftlichem Denken um 1600 habe ich dort ein Grundprinzip von Zivilgesellschaft und Demokratie betont: Deren Grundlage ist zunächst der gegenseitige Respekt vor unterschiedlichen Einschätzungen der Sache, auch wenn man diese Einschätzungen möglicherweise selbst nicht nachvollziehen kann oder mag (in den Worten meines akademischen Lehrers Ernst Vollrath in: 'Die Rekonstruktion der politischen Urteilskraft': "Das politische Urteil geschieht in Ansinnung von Zustimmungsbereitschaft"). Daraus leitet sich dann ab, daß in Ausnahmesituationen - wie etwa in dieser Pandemie - ein notwendiges gemeinsames Handeln gerade wegen des gegenseitigen demokratischen Respekts auch denen zumutbar ist, die selbst eine andere Einschätzung haben. Die Chance, meinen grundsätzlichen demokratischen Respekt auch vor Einschätzungen, die ich selbst nicht teile, mit einem Eintreten für einen ebensolchen Respekt vor einer Befürwortung der Anti-Coronamaßnahmen zu verbinden und dabei die allgemeine Zumutbarkeit gemeinsamen Handelns zu betonen, wollte ich nicht ungenutzt lassen. Eingebunden war das in eine kulturhistorische Skizze der neustoischen Erkenntnislehre und ihrer Bedeutung für Krisenbewältigung und protoaufklärerisches Denken und Handeln um 1600 in Kunst, Ethik, Naturwissenschaften und Politik. Ich sehe dies auch als Beitrag dazu, den für Demokratie und Zivilgesellschaft wie auch für die Bewältigung der Pandemie existentiellen Zusammenhalt der Gesellschaft gerade unter dem Druck der Pandemie aufrechtzuerhalten.
Zu meiner persönlichen Einschätzung der sachlichen Notwendigkeit und Angemessenheit von Anti-Coronamaßnahmen wie Lockdowns und ggf. auch Impfpflicht gehört in diesem Sinne auch, daß ich die Lasten, die solche notwendigen Maßnahmen zwangsläufig mit sich bringen, sowie deren asymmetrische Verteilung nach Alter, Geschlecht, Herkunft, Beruf und Lebensverhältnissen nicht übersehe. Daß dies gerade auch Befürworter der Anti-Coronamaßnahmen benennen und zur Linderung solcher Folgen beitragen sollten, ist nicht nur meiner Überzeugung nach auch Teil einer effektiven Bekämpfung der Pandemie. Wo ich hierzu etwas tun kann, versuche ich auch dies.
Die jahrhundertealte Kunst-, Sozial- und Kulturgeschichte der gesellschaftlichen Wirkung von Seuchen zeigt, daß sich eine langanhaltende bedrohliche Belastung durch Epidemien Ventile sucht. Folge sind dann erfahrungsgemäß Orientierungslosigkeit, allerlei Verschwörungstheorien, irrationale Immunitäts-, und Erlösungserwartungen und gelegentlich bis ins Berufliche und Persönliche übergreifende Gerüchte und Schuldzuweisungen. Alles kann dann zum Indiz umgedeutet werden, um den eigenen Weg der streßsenkenden Komplexitätsreduktion zu bestätigen. Insofern weiß ich auch das offensichtlich in Umlauf befindliche Gerücht durchaus als Ausdruck echter Sorgen und Nöte einzuschätzen. Gegen diesen Mechanismus hat aber immer schon nur schonungslose Nüchternheit im Blick auf die Sache selbst geholfen, hier also auf den Charakter der Pandemie und die Einsicht, ihr nur durch gemeinsames Handeln und Konzentration auf die erforderlichen Maßnahmen sowie auf Humanität und Demokratie als gemeinsame Leitprinzipien effektiv begegnen zu können.
Sollte nach dieser Erklärung weiterhin Unklarheit über meine Haltung bestehen oder im Umlauf sein, kann ich dies gerne noch weitergehend erläutern. Ungeklärte Gerüchte und ein Reden über statt mit jemandem erschweren letztlich die gemeinsame Konzentration auf die Pandemiebekämpfung und auf sinnvolle Begleitmaßnahmen zur Linderung der Folgen.

Ihnen allen nun erst einmal ein Frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes Neues Jahr voll Gesundheit und Glück.

Köln, 18. Dezember 2021 Ulrich Heinen